Barrique

 

Das Barrique ist ein Eichenfass, das heute vor allem zum Ausbau des Weines, aber auch von Whisky und Bier dient. In der Regel wird dem Barriquefass das Bordelaiser Schiffsmaß von 225 Litern zugeordnet. Ursprünglich war das relativ kleine Barrique ein reines Transportfass zum Export des Weines nach England. Die dafür frisch hergestellten Fässer waren noch innen verbrannt, durch das Feuer zur Biegung der Dauben. Dieses Toasting ist für das ausgeprägte Vanille-Aroma des Weines verantwortlich. Darüber hinaus gibt ein Barrique, im Gegensatz zu weingrün gemachten großen Holzfässern, Gerbstoffe (Tannine) in den Wein ab. Gemein ist allen in Holzfässern erzeugten ein gewisses Maß an Oxidation.

 

Wortherkunft

 

Im Französischen bedeutete barrique (vom Gaskognischen barrica) Fass. Dann wurde der Begriff auf das am häufigsten gebräuchliche Fassmaß eingeschränkt; es umfasst in der Regel ein Volumen von 225 Litern in Bordeaux oder auch 228 Liter in Burgund. Das Maß ergab sich aus der Fassgröße, die ein Hafenarbeiter in leerem Zustand von Hand verladen konnte. Beim Bordelaiser Barrique sind das bei einem Volumen von 225 Litern ein Leergewicht von ungefähr 45 kg. Heutzutage wird mitunter auch der darin hergestellte Barriquewein verkürzt als „Barrique“ bezeichnet.

 

Von Barrique leitet sich auch das Wort Barrikade ab; denn während der Julirevolution 1830 dienten mit Erde gefüllte Barriques als Straßensperren.

 

Geschichte der Barriquelagerung

 

Ursprünglich wurden im Altertum anstelle des Fasses Schläuche aus Tierbälgen, aber auch große Tongefäße verwandt. Aus Holzblöcken oder Stammabschnitten geschnitzte Behälter aus Holz sind bereits 1000 v. Chr. in Gebrauch. Aus Dauben zusammengesetzte Holzfässer, welche zur Lagerung und zum Transport von Gütern und Getränken genutzt wurden, gelten als Erfindung der Kelten (Gallier, Bojer). Die erstmaligen Erwähnung solcher Fässer geht auf verschiedene römischen Quellen ab 50 v. Chr. (Aulus Hirtius, Gaius Iulius Caesar, Strabo, Plinius) zurück, sie wurden aber sicher schon einige Jahrhunderte zuvor im Keltischen Raum genutzt. Später wurden sie auch von den Römern übernommen.

 

Aus der Historie sind für das „Barriquisieren“ drei Fälle erwähnenswert:

 

  • Die Engländer, die lange die Gegend von Bordeaux beherrschten, bemerkten, dass der auf Schiffen im Holzfass transportierte Wein haltbarer wurde.
  • Die hanseatischen Kaufleute in Bremen, Hamburg und Lübeck waren Freunde des „Rotspons“; dies war Rotwein, der in Bordeaux gekauft, dann in die Hansestädte verschifft und dort aus verschiedenen Lieferungen verschnitten wurde. Gelegentlich sollen Winzer aus Bordeaux, die ihre hanseatischen Kunden besuchten, ihre eigenen Weine nicht wiedererkannt haben – so gut waren sie infolge der Holzfasslagerung geworden.
  • Louis-Gaspard Estournel aus Saint-Estèphe bei Bordeaux stellte Anfang des 19. Jahrhunderts fest, dass einige in Arabien und Indien nicht verkaufte Wein-Partien nach dem Rücktransport erheblich besser geworden waren. Er markierte diese Partien mit einem „R“ für „Retour des Indes“ (zurück aus Indien) und verkaufte sie, als sich ihre Qualität herumsprach, zu immer besseren Preisen. Endlich beschloss er, alle seine Weine vor dem Verkauf in Holzfässern zu transportieren.

 

Der Ausbau in neuen Holzfässern war ursprünglich nur den besten und schwersten Weinen vorbehalten. So verkaufen die großen Weingüter des Bordeaux, wie etwa Château Margaux, das eine eigene Küferei betreibt, ihre gebrauchten Fässer an weniger wohlhabende Weingüter weiter.

 

In den 1980er Jahren kam die Technik des Barriqueausbaus weltweit in Mode. Diese Entwicklung ist zum einen auf die Internationalisierung des Weinbaus zurückzuführen, wobei die im Bordeaux angewandten Methoden eine Vorbildfunktion einnehmen. Zum anderen ist die Nachfrage nach hochwertigen, schweren Rotweinen mit komplexen Aromen stark gestiegen, so dass ein großer Markt für Barriqueweine auch in anderen als den traditionell dafür bekannten Regionen entstand.

 

Ausbau

 

Dieses Aromenspektrum wird beim Ausbau des Weins erzeugt. Dabei wird ein gehaltvoller Wein aus einer Rebsorte wie Cabernet-Sauvignon oder Chardonnay geschmacklich abgerundet, ein subtiler Wein wie Riesling aber leicht maskiert und erdrückt. Das Holz setzt dabei Gerbstoffe (Tannine) frei, durch die Röstung des Holzes (Toasting) wird das Aroma von Vanillin erzeugt. Der Grad der Röstung beeinflusst dabei wesentlich den Charakter des Weines.

 

Während Weißweine im Holzfass lediglich reifen, finden beim Rotwein oftmals auch die Gärung und die malolaktische Gärung (biologischer Säureabbau) im Barriquefass statt. Hierfür werden aber selten neue Fässer verwendet, weil der Geschmack zu intensiv wäre.

 

Alte Barriques werden häufig für die Lagerung von Whisky verwendet.

 

Material

 

Frankreich dominiert die handwerkliche Herstellung hochwertiger Barriquefässer.

 

Um der mittlerweile enormen Nachfrage nachkommen zu können, werden auch in Frankreich Eichen ausländischer Herkunft (beispielsweise Deutschland, ehemaliges Jugoslawien, Ungarn (Quercus frainetto) sowie USA) verarbeitet. Das Holz der US-amerikanischen Eichen stammt typischerweise von der Sorte Amerikanische Weiß-Eiche (Quercus alba) ab. Inzwischen werden Barriquefässer aber auch in der ganzen Welt gefertigt. Für italienische Weine kommen traditionell häufiger Fässer aus slowenischer Eiche zum Einsatz. Spanische Weine reifen üblicherweise in Fässern aus amerikanischer Eiche, die an den Wein ein dominanteres Aroma abgeben können als europäische Sorten. In Spanien heißt das Fass zur Weinreifung barrica. Auch in Österreich werden die heimischen Eichen zur Herstellung von Barriques verwendet.

 

Die unterschiedlichen Holzarten (selbst selten verwendetes Kastanienholz) erzeugen im Wein Aromen im grundsätzlich selben Spektrum, allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung. So reagiert amerikanische Eiche geschmacksintesiver auf Röstung als französische Eiche.